Weihnachten 2025
Johann Simon Mayr (1763-1845) – Missa brevis
Der Name Johann Simon Mayr – oder Giovanni Simone Mayr – ist heute kaum mehr bekannt, aber wenn man sich ein wenig mit seinem Leben und Werk befasst, ist dies nur schwer verständlich: Mayr war einer der herausragenden Opernkomponisten seiner Zeit, wirkte parallel aber auch lange Jahre als Kirchenmusiker und wird zudem geehrt für seine caritative Arbeit und Lehrtätigkeit. Goethe nannte ihn in einem Brief nur „den alten Mayr von Bergamo“. Constanze Mozart bat ihn, sich ihres Sohnes anzunehmen, als jener in Mailand Musik studierte. Und Napoleon bot ihm – vergeblich – die Stelle des Operndirektors in Paris an.
Mayr, wenige Jahre jünger als Mozart, wurde im Örtchen Mendorf im heutigen Landkreis Eichstätt geboren. Seine Ausbildung erhielt Simon Mayr im Kloster Weltenburg und am Jesuitenkolleg Ingolstadt, wo er wegen seines musikalischen Talents einen Freiplatz hatte. Ab 1777 studierte er in Ingolstadt Theologie, Philosophie, Medizin, Jura und Kirchenrecht – offensichtlich war er also sehr vielseitig interessiert –, war daneben aber als Organist tätig und später als Musiklehrer auf Schloss Sandersdorf ganz in der Nähe seines Geburtsorts.
Um 1787 ging Mayr ins Ausland: zunächst in die Schweiz, dann nach Italien, wo Bergamo und Venedig seine Stationen waren. 1794 wurde seine erste Oper am Teatro La Fenice in Venedig aufgeführt, 1796 heiratete er eine Venezianerin. Insgesamt schrieb Mayr rd. 60 Opern, die an den bedeutendsten Theatern Europas aufgeführt wurden.
Parallel zu seiner Arbeit im internationalen Operngeschäft wurde Mayr ab 1802 wieder in Bergamo sesshaft, wo er bis zu seinem Tode Kapellmeister an der Kirche Santa Maria Maggiore war. 1805 rief Mayr dort eine karitative Musikschule ins Leben, an der Jungen aus bescheidenen Verhältnissen in Musik, aber auch allgemeinbildenden Fächern unterrichtet wurden.
Bereits 1806 wurde Gaetano Donizetti, der aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammte, dort Schüler und startete von dort aus seine glänzende Opernkarriere mit z.B. L’elisir d’amore und Lucia di Lammermoor. Auch Gaetano Donizettis Bruder Guiseppe wurde von Mayr zum Musiker ausgebildet und wirkte als Militärmusiker insbesondere am Hof des türkischen Sultans, wo er die Palastkapelle und das osmanische Musikwesen insgesamt grundlegend reformierte und mit dem Titel eines „Pascha“ geehrt wurde.
Gaetano Donizetti dankte Mayr die Ausbildung mit lebenslanger Anhänglichkeit und nannte ihn seinen „zweiten Vater“.
Als Ehrbezeugung ist Mayr neben Gaetano Donizetti in seiner langjährigen Wirkungsstätte Santa Maria Maggiore in Bergamo beigesetzt.
Die Mezzosopranistin Teresa Belloc schrieb am 17. Januar 1807 an Mayr:
„Das Teatro alla Scala in Mailand ist immer überfüllt, die Musik der ‚Adelasia‘ bildet einen wahren Triumph für Sie, jeden Abend werden wir alle nach Schluss der Oper herausgerufen. Meine Arie ist großartig, könnten Sie sie jetzt singen hören, ich würde auch Sie mit den anderen zum Weinen bringen – Sie! Den Komponisten!
Ich zwinge das Publikum bis zur letzten Silbe zur Ruhe. Die Impresarii sagen mir, noch nie habe in Mailand eine Oper einen so allgemeinen, vollständigen und andauernden Erfolg gehabt.“